28.7. Tokyo, erster Tag

Von Nagano aus kommt man eigentlich nur vernünftig mit dem Shinkansen nach Tokyo, also machten wir das auch. Unsere Herberge lag im Norden der Stadt, bei Minamisenju. Irgendwie war ich von der Baustelle dort und der Wegbeschreibung von Hotel so irritiert, dass wir einen riesigen Umweg gelaufen sind. Sicherheitshalber wollte ich bei einer Koban nachfragen, ob wir richtig sind – das sind so kleine Polizeistationen, die man an vielen Straßenecken findet. Der Mann schien sich auch darüber zu freuen endlich mal wieder was zu tun zu kriegen, griff als erstes zum Telefon und rief bei dem Hotel an, um sich noch mal die Adresse geben zu lassen. Dan kramte er in seiner Schubladen nach den Karten des Bezirks und fing anschließend an eine Karte für uns zu malen. Das einzige, was mich daran irritierte war, dass er mindestens 3 mal neu angefangen hatte, immer mit dem Satz „Ach mist, falsch“ 🙂 Aber wir fanden dann doch ganz gut zum Hotel. Ok, als wir fast da waren stand plötzlich wieder ein Japaner neben uns, der uns fragte, ob er uns helfen könne. Der schnappte sich dann einfach meine Karte und lief weg – also eher voraus, aber es wirkte wie weglaufen *g* Der brachte uns dann noch bis zum Hotel.


New KoyoIch weiß nach wie vor nicht, wie ich diese Herberge nennen soll. Martin habe ich es auf jeden Fall als „Knastzelle“ beschrieben. Wir waren im Hotel New Koyo. Ein „Economy Hotel“. Pluspunkt: Recht preiswert, Einzelzimmer, Ablagemöglichkeiten auf dem Zimmer. Aber das war es dann auch schon. Von der Reinlichkeit her würde ich behaupten, dass sich alleine für dieses Hotel meine ganzen Impfungen gelohnt haben werden. Zumindest wirkte es so. Das Bettzeug war total kaputt uns sah auch nicht wirklich gewaschen aus. Die Toiletten waren eckelig und die Duschen habe ich mir erst gar nicht angesehen – ich bin immer abends ins Gemeinschaftsbad gegangen.

Nach dem Einchecken sind wir erstmal nach Ueno und haben eine Touristeninformation gesucht. Eigentlich hatte ich in Japan nie wirklich große Orientierungsprobleme, aber in Tokyo sah das plötzlich anders aus 😉 Ich fand dieses blöde Büro einfach nicht. Die Umgebungskarten waren in der Hinsicht aber auch nicht hilfreich. Irgendwann saßen wir auf der Treppe eines Bahneingangs um Reiseführer zu wälzen, was wir denn jetzt machen, als Stefan nur meinte „Du, da unten steht Touristeninformation“ Gnarf! Wir saßen also schon locker 10 Minuten fast davor 🙂 Dort bekam wir ganz gutes Infomaterial, eine gute Karte und vor allem die Zeiten und Orte für das Feuerwerk am Abend!

AtomwaffenmahnmalNachdem wir schon da waren gingen wir erstmal ein wenig durch den Park von Ueno. Dort gibt es einen kleinen Schrein, der Toshogu Schrein. Hier steht ein Monument für die Atombomen von Hiroshima und Nagazaki. In beiden Städten waren Flammen aufgenommen worden, die durch die Feuer nach der Atombome entstanden waren. In Hiroshima in einem Wohnhaus eines vermissten Onkels, in Nagazaki an einem Hausdach. Die Flammen wurden unabhängig voneinander am Leben erhalten und wurden das erste Mal 1988 vereint und als Symbol gegen Atomwaffen zu einer UN Generalversammlung nach New York gebracht.

Zwei Jahre später wurde das Monument in Tokyo fertig gestellt, in dem die Flammen erneut vereint und nun auf ewig als Mahnmal brennen sollen. Ziemlich bewegend.

Im Anschluss fuhren wir zurück ins Hotel um uns dann auf zum Feuerwerk zu machen. Das fand am Sumidagawa, im Osten Tokyos statt. Glücklicherweise nicht soooo weit weg vom Hotel. Auf dem Weg zu der Parkanlage kamen wir schon an sehr vielen abgesperrten Straßenabschnitten vorbei, auf denen bereits jede Menge Japaner auf blauen Planen mitten auf der Straße saßen, Bier tranken und Snacks futterten. Je näher wir an den Fluß kamen, desto mehr Menschen liefen herum. Nicht wenige in Yukata. Echte Volksfeststimmung, mit Buden rechts und links, riesigen Schlangen vor den Combinis und einer heiteren Atmosphäre. Irgendwann hatte ich mal wieder vollkommen die Orientierung verloren und wir gingen einfach mit dem Strom mit. Wir landeten in einer Sackgasse, neben einer Betonwand, in der sich ganz viele Gruppen junger Japaner auf dem Boden niedergelassen hatten. Da es bald los gehen sollte blieben wir auch einfach da.

Eine gute Stunde dauerte das Feuerwerk – und das lustigste war eigentlich die Geräuschkullise. Ständige „ooooohs“ und „ahhhhhs“ unterbrochen von „kireeeeeeei“ und „sugooooooooi“. Hin und wieder hörte man vom um die Ecke gelegenen, mit Menschenmassen belagerten Sportgelände lauten Applaus. Das Feuerwerk war auch wirklich toll! Aber ich muss sagen, dass ich vom Feuerwerk zum Japantag in Düsseldorf noch begeisterter war. Wenn ich das nächste Mal in Tokyo bin ist Tokyo-Bay-Feuerwerk. Das soll noch größer sein. Ich bin schon gespannt!

Nach dem Feuerwerk versuchten wir nur noch nach hause zu kommen – ohne Orientierungspunkt gar nicht so einfach 😉 Aber es gelang dann doch irgendwie *puh*

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